• Hallo - ab sofort gibt es hier eine neue Forensoftware - und die Registrierung klappt auch wieder. Die Installation ist frisch - daher seht mir nach, wenn noch nicht alles funktioniert und vielleicht manches noch fehlt. Das wird noch :) Gruß Markus Admin

Funktechnik und elektromagnetische Entladungen (EMP)

Felis

Member
Auch wenn es sich erst mal recht weit hergeholt anhört, stelle ich mir die Frage nach einem EMP-Schutz für die Funktechnik.
Hierbei geht es nicht vorrangig um künstlich erzeugte EMP's, als Folge von Terroranschlägen oder kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern die natürlichen Ereignisse (Blitz oder kosmische Ereignisse).
Die Vorschriften für Antennenanlagen befassen sich zwar mit Blitzeinschlägen, Erdung, etc. klammern aber das Thema (L)EMP, also die hochenergetischen HF-Störungen durch Blitze aus.

Ich hatte in der Vergangenheit schon 2mal eine LEMP Schaden zu beklagen. In beiden Fällen war der Einschlag rund 80m entfernt und des 3. Mal ist wohl nur eine Frage der Zeit.
Überspannungsbegrenzer/-ableiter für die Stromversorgung und Antenne bringen recht wenig. Offensichtlich wird die Überspannung direkt in die Leitungen eingekoppelt. Alle Erdpotentiale sind unmittelbar am Transceiver zusammengefasst und durch die Begrenzer sind dort montiert. An der Antenne ist ein zusätzlicher Begrenzer (Funkenstrecke).

Nun stellt sich mir die Frage ob die Einhausung der gesamten Inhouse-Funktechnik sinnvoll ist. Also Stromversorgung, Transceiver, Tuner in eine solide Metallkiste und nur die Anschlüsse für die Versorgung 1AC230V und die Antenne herausführen. Die Antenne zusätzlich unmittelbar an der Gehäusewand über einen Erdungsschalter geführt.
Ich hab mir schon einige Überlegungen dazu gemacht, da der Umbau der Funkecke sowieso ansteht.
Da ich mir nun die Arbeit ohnehin machen muss und dieses Vorhaben auch einige Euros verschlingen wird, möchte ich möglichst viele Eventualitäten mit abdecken..
Gibt sicher auch noch Szenarien, die ich nicht so auf dem Schirm habe.

Hat sich jemand von euch schon mal mit dieser Thematik befasst?
 

ThomasB

New member
Faradayscher Käfig ist vielleicht ein guter Ansatz aber bei den Anschlüssen für Energie und Antenne war es schon wieder vorbei mit dem Schutz... Schau dir mal an wie allein Stromleitungen mit EMP-Filter aussehen:
8080-hemp-powerline-filters.png
Bildquelle: Holland Shielding Systems BV
Das Gehäuse ist Hf-dicht, ein EMP spielt sich vorwiegend im 3-Meter Band ab (das gilt m.W. auch für Blitze oder kosmische Stürme)

Mehr Infos zum zum Thema gibts auf englisch beim US DOD: MIL-STD-188/125-1. Ich hab mal kurz reingelesen und denke für den Zivilbereich werden zwei Blechdosen und eine Schnur vorerst zur Nahkommunikation (PMR) reichen müssen, wenn du CB haben willst: Feuer und Decke :)
 

Wasserbueffel

Administrator
Teammitglied
Sollte es wirklich mal soweit sein würde ich mir mehr Kopfzerbrechen über sauberes Wasser und saubere Luft machen....
Funk wäre bei mir nur sekundär...

Walter
 

ThomasB

New member
Ich seh das wie Walter, deswegen sag ich ja: Dosentelefon und Rauchzeichen :D
Vor allen Dingen nachdem ich "Blackout – Morgen ist es zu spät" von Marc Elsberg gelesen hab. Das Buch ist ein richtig gut recherchierter Technik-Thriller und die Folgen des Blackouts sind plausibel beschrieben, auch wenn hier kein EMP (gleich welcher Art) die Ursache war.

Ich bin Marc Elsberg und Christoph Unger, dem Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, mal bei einer Lesung mit anschließender Podiumsdiskussion in Bonn begegnet. Wer sich an die Ratschläge der Zivilschutzbehörde hält, ist für viele Fälle schon mal ganz gut aufgestellt:
(Einzig die Bevorratung von gerolltem Survivalpapier wird in den Empfehlungen vernachlässigt 😂)
 

Felis

Member
Danke Thomas und Walter,

es ist sicher ein Unterschied ob man auf dem Land oder in der Stadt lebt. So mach ich mir um Wasser und Ernährung überhaupt keine großen Sorgen.
Durch eine kleine Landwirtschaft und eigenen trinkwassertauglichen Brunnen, sowie mehrere Quellen in der Nähe (weniger als 5km), erwarte ich hier erstmal keinen Engpass.
Aber sicherlich denke ich durch meine Bürgerkriegserfahrungen grundsätzlich andere oder weiter als der deutsche Normalbürger".
Ich bin kein Prepper oder ängstlicher Mensch, aber mit bisschen Voraussicht und Erfahrung/Kenntnissen erledigt man sehr viel auf zyklischem Wege, ohne dass man dafür gleich eine Krise im Hinterkopf hat. Kartoffeln erntet man nur 2mal im Jahr, Äpfel, Birnen, Nüssen, etc. nur einmal. Damit muss die Ernte die Zeit bis zum nächsten Ernte überbrücken. Auf dem Land ist diese Sichtweise zumindest bei den Älteren in jedem Kopf, bei den Jüngeren, die zumeist ihren Hauptjob in der Industrie haben ging viel dieses Wissens verloren.

Strom ist bei uns nicht das große Thema, da fast alles Wichtige stromlos möglich ist, bzw. derzeit schon praktiziert wird.
Ich weiß aber aus Erfahrung, wie wichtig die Kommunikation nach außen ist, wenn man sich "in seinem Reich einigelt". Hier hat schon vor 25 Jahren die Funktechnik eine gute und Praktikable Lösung geboten. Es gibt viele Theorien um dem Lagerkoller zu umgehen - und dieser tritt je nach Menschentyp schon nach wenigen Tagen auf. Dann ist nichts so hilfreich, wie eine bekannte Stimme aus dem Lautsprecher zu hören.

So kam die Idee mit Freunden ein kleines Funknetz aufzubauen, welches wir auch derzeit für vielerlei Dinge nutzen (vor allem , da das Handynetz hier nicht flächendeckend ist).
Nun kam der Gedanke auf, die Funktechnik irgendwie vor äußeren Einflüssen (EMP) zu schützen.
Wir haben also eine Sandwichbox gebaut und durch einen Kontakt zu einem Prüflabor testen lassen. Es war überraschend, mit wie wenig aufwand man so viel erreichen kann. Zumindest konnte der zur Verfügung stehende Hochlestungsgenerator den Geräten im Inneren nichts anhaben.
Nachdem uns das Labor den ganzen Sonntag zur Verfügung stand, haben auch mit geöffneter Box Versuche gemacht. Solange die Öffnung von der HF-Quelle wegzeigte, passierte nicht viel. Zum Schluss haben diverse Geräte in die Box gepackt und diese mit genormten Blitzentladungen traktiert. Nach 4 Entladungen war unsere Box ziemlich ramponiert, aber die Geräte im Inneren zu unserem Erstaunen noch voll funktionsfähig.,

Um aus den Erfahrungen nun eine alltagstaugliche Bos zu bauen benötigen wir jedoch Leitungsdurchführungen und entsprechenden Schutz für Anschlussleitungen. Hier setzt meine Frage an... Wobei ich natürlich auch an eventuellen Erfahrung anderer Funker interessiert bin.

Nachdem die Anforderung nur wenige Kanäle im CB-Band sind, könnten wir mit einem sehr schmalbandigen Bandpass für die Antenne und einen Tiefpass für die Stromversorgung (Akkuladung) gut leben. Ein Bleiakku ist übrigens auch ein hervorragender EMP-Schutz, wie wir mittlerweile herausgefunden haben.
Leider haben wir nur sporadisch Zugriff auf das Labor, um zu testen und andererseits liegen die Materialkosten für unsere Box bei rund 1000€ (ohne Geräte). Daher sollte die erste Ausführung, auch wenn diese sicherlich noch nicht das Optimum darstellen kann, zumindest für einen gewissen Schutz verwendbar sein.
Aktuell haben wie eine Zarges-Kiste mit einem Stahl- und einem Kupferblecheinsatz ind Auge gefasst. Die Anschlüsse liegen als Steckverbindung innerhalb der Kiste. Da es sich im Betrieb um eine Einkanallösung handelt ist die Bedienung durch ein Schirmgeflecht möglich. Lautsprecher und Mikrophon befinden ebenfalls unter einem Geflecht. Die Antenne ist eine einfache Drahtantenne mit verlängerungsspule am Fußpunkt.

Ich denk, wir sind nicht die einzigen, die an einer derartigen Box basteln..
Selbstverständlich erwarte ich nicht, dass jemand eine komplette Lösung hat, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Gedanken und Ideen, die anfangs unsinnig erschienen am Ende den richtigen Impuls gegeben haben.

Wenn die Box zufriedenstellen funktioniert, werde ich die Daten gerne hier veröffentlichen.

Gruß Felis
 

Felis

Member
Nachtrag:

Der Netzanschluss wird nach Rücksprache mit den Technikern der Fa. Schaffner über einen 3stufigen Filter, Typ FN700Z-6-06 realisiert.
Dieser sitzt in der Außenwand der EMP-Box und ist nicht benutzten Fall mit einem Sandwichelement identisch der Box HF-dicht verschlossen.
Der Stromanschluss wird vorrangig für die Ladung des internen Bleiakkus benötigt. Der Netzfilter sitzt zusammen mit dem Schaltnetzteil/Ladegerät und dem Bleiakku, in einem separaten Gehäuseteil der Box. Die Verbindung zwischen den Stromversorgungsabteil und dem Fach mit dem Transceiver und Tuner ist nur die DC12V-Verbindung. welche über Begrenzerdurchführungen eine maximale Spannung von DC15V (Pluspotential) erlauben.

Was nun noch fehlt ist ein Bandpass als Schutzelement für den Antennenanschluss..
 

Dipol

Member
Kaum zu glauben: Ein CB-Funker der sich tatsächlich mal um atmosphärische Entladungen mehr sorgt als die Mehrheit selbst bei Stabantennen vor ominösen statischen Aufladungen? :cool:

Die Vorschriften für Antennenanlagen befassen sich zwar mit Blitzeinschlägen, Erdung, etc. klammern aber das Thema (L)EMP, also die hochenergetischen HF-Störungen durch Blitze aus.
Ein LEMP ist ein Blitzereignis und auch wenn noch nicht definitiv geklärt wurde, wodurch Blitze ausgelöst werden, fällt mir kein Naturphänomen ein, das an vielen Versuchstationen einschließlich Raketentriggerung und in Hochspannungslaboren vergleichbar intensiv untersucht wurde.

Hochenergetisch sind zumeist nur seltene Direkteinschläge mit Impulsform 10/350 µs in Gebäude bzw. Antennen oder in Versorgungsleitungen. Über Hausnetzschleifen und insbesondere ungeschützte Energie- und TK-Leitungen induktiv eingekoppelte mittelbare Blitzpotenziale und Überspannungen aus Schalthandlungen haben zwar meist weit weniger Ladung und nur 8/20 µs Impulsform, sind aber trotzdem erheblich schadensintensiver.

Antennenerdung und PA nach aktueller DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1):2019-02 und dem nationalen Oldie DIN VDE 0855-300:2008-08, der in Deutschland primär für Mobilfunk aber auch (noch) für CB- und Amateurfunk zuständig ist, behandeln seitenlang den Schutz gegen LEMPs und den Schutz gegen den elektrischen Schlag. Ich wäre nach dem Tenor des Beitrags erstaunt, wenn auch nur diese Normen oder andere zu Überspannungsschutzelementen intus wären.

Ich hatte in der Vergangenheit schon 2mal eine LEMP Schaden zu beklagen. In beiden Fällen war der Einschlag rund 80m entfernt und des 3. Mal ist wohl nur eine Frage der Zeit.
Auch ohne Kenntnis der lokalen Bedingungen und einer Risikoanalyse nach IEC 62305-2 ist das als fatalistische Einschätzung ohne Fachgrundlage einzustufen.

Blitzschutz erfordert stets ein Gesamtkonzept und da er wirtschaftlich sein soll, muss er an den Stellen mit den höchsten Schadensrisiken ansetzen und das sind - wie schon geschildert - NICHT Direkteinschläge in Antennen mit hoher Ladung sondern die Risiken S3 und S4 mit geringerer Ladung aber größeren Schadensummen. Allein aus der Entfernungsangabe 80 m ist kein Rückschluss auf galvanische oder induktive Blitzstromeinkopplung möglich.

Zur Vermeidung einer der üblichen Phantomdebatten zum Thema Blitzschutz bitte die Bestandsinstallation darstellen (Skizze mit Querschnitt von Erdungs- und PA-Leitern, gebäude mit oder ohne LPS, Leitungsführung mit gefährlichen Näherungen innen oder mit ausreichenden Trennungsabständen außen sowie Blitzstromtragfähigkeit von Verbindern und HES, Art der Erdungsanlage und Position der ÜSE). Zielführend wären auch die von SIEMENS-Blids festgestellten Blitzstromstärken und angegebenen Einschlagpunkte der beiden Blitzschläge, welche von den Versicherern stets vor den Schadensregulierungen abgerufen werden. Mit minutengenauer Zeitangabe wären die auch noch nachträglich abzurufen.

Überspannungsbegrenzer/-ableiter für die Stromversorgung und Antenne bringen recht wenig. Offensichtlich wird die Überspannung direkt in die Leitungen eingekoppelt. Alle Erdpotentiale sind unmittelbar am Transceiver zusammengefasst und durch die Begrenzer sind dort montiert. An der Antenne ist ein zusätzlicher Begrenzer (Funkenstrecke).
ÜSE sind immer nur so gut wie Erdung und PA. Die Zusammenfassung am Transceiver statt an der HES auf oder unter Erdniveau ist ein blitzschutztechnischer Kardinalfehler. Hört sich an wie das Bild 2 im PDF von DC4KU. Das blitzschutztechnische Konzept wird hoffentlich nicht auch noch mit einem separaten Erder "gekrönt"?

Wenn die zu seriöser Beurteilung erforderlichen Infos möglichst mit Detailfotos ergänzt eintrudeln, gebe ich meinen Senf als RFT-Meister und Blitzschutzfachkraft dazu ab.

73 Roland
 
Zuletzt bearbeitet:

Felis

Member
Guten Morgen Roland,

warum der kritische Unterton?
Nachdem wir beide wohl "vom Fach" sind, ist uns wohl klar, dass die lokale Situation (selbst mit Skizze) nur ein schwer Rückschlüsse auf die tatsächlichen Verhältnisse zum Schadenseintritt zulässt. Dass ich nicht die jeweiligen Normen angeführt habe, liegt einfach daran, dass die Wenigsten hier Zugriff darauf haben und das Verstehen/Anwendung im Detail auch nicht so einfach ist.
Du kannst dir sicher sein, dass ich (ohne meine Ausbildung und meine über 15 Jahre als Technik im EMV-Labor rauszukehren) schon weiß, was ich wo einzusetzen habe und welche Auswirkungen die Schutzorgane haben. Aber um Wissen zu teilen, ist es wichtig eine Diskussion auf Augenhöhe zu führen und nicht mit Normen und Fachbegriffen zu glänzen. - In diesem Sinne: Entschuldigung für die meine einfache Sprache hier!

Das Phänomen ist letztlich in zwei Komponenten zu unterscheiden:
1. Die Auswirkungen der direkten Entladung und die damit einhergehende Potentialverschiebung.
2. Die Auswirkungen die als Störstrahlung in leitfähige Komponenten der Funktechnik einkoppeln.

Er erste Teil ist mittels der gängigen Normen in den Griff zu bekommen und ich bin mir recht sicher, dass nicht wenige CB-Funker hierzu ausreichende Kenntnisse haben.
Der zweite Teil ist jedoch äußerst Problematisch, da dieser hauptsächlich vom Aufbau der Funktechnik abhängig ist und viele Fallstricke bereit hält. Die Normung in diesem Bereich bezieht sich auf Funkanlagen oder sonstige elektronische Einrichtungen. Wobei die Normen bereits beim Aufbau/Gebäude ansetzen.
Da kein CB- oder Amateur-Funker extra ein spezielles Gebäude für seine Funktechnik errichtet, sondern schon froh ist, wenn er eine kleine Ecke im Haushalt zugestanden bekommt, sind die meisten Normen nicht anwendbar.

ÜSE sind immer nur so gut wie Erdung und PA
Damit hast du generell Recht, aber es betrifft nur die erste Komponente, und vor allem: Welchen Einfluss hast du in der Praxis auf die Erdung?
Die Erdung ist eine technische Eigenschaft deines Wohnorts und dien Möglichkeiten dies zu verändern sind recht begrenzt!
Der Ansatz der Normung geht immer von einem idealen, aber meist nicht vorhanden Erdpotential/Erdwiderstand aus. Von daher ist die normenseitige Betrachtung nicht immer zielführend, oder das beste Mittel der Wahl.

Ein zentraler Erdungspunkt, wie er in verschiedenen Normen als Grundlage! verwendet wird, ist in dieser Praxis gar nicht möglich. In der Regel gibt es einen Erdungspunkt der Antenne und einen weiteren für den Transceiver oder Antenne und Transceiver sind über eine längere Erdungsleitung mit einem Erdungspunkt verbunden.
Für eine in der Praxis funktionierende Schutzmaßnahme ist immer eine Kombination aus verschieden Maßnahmen und damit ein Kompromiss notwendig. Ziel ist es immer ein Gerät so zu schützen, dass alle Anschlüsse auf einem ähnlichen Potential liegen und damit keine Spannungsdifferenzen auftreten.
Die Ausführungen der Normung können dadurch aber nur noch bedingt angewendet werden.

Die Störstrahlung, welche durch eine LEMP auf alle Leitungen einwirkt, liegt im Wesentlichen in einem Bereich, oberhalb der HF-Nutzfrequenz. Damit kann diese beispielsweise durch ein Filter vom Antennenanschluss weggeleitet werden. Hierdurch ergibt sich aber, wie bei jeder Schutzmaßnahme eine lokale Potentialverschiebung des Geräts insgesamt, da die Erdungsleitung als Widerstand wirkt.
HF-seitig betrachtet weißt eine übliche 16mm² Erdungsleitung bereits bei wenigen Metern länge einen sehr hohen Widerstand auf.
D.h. die Erdungsleitung ist niederfrequent nahe 0 Ohm, während die gleiche Leitung bei 100 MHz sehr hochohmig ist.

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es häufig die einfachere Lösung ist, einen Anlagenbestandteil zu kapseln und so als eine Einheit zu schützen, als der Versuch jede einzelne Komponente getrennt.
Eine übliche Funkanlage besteht ja nicht nur aus einem Transceiver und einer Antenne, sondern beinhaltet weitaus mehr Geräte. Jede Verbindungsleitung stellt aber auch eine Antenne für die Störstrahlung dar. Selbst ein stabiles Metallrack in dem alle Komponenten untergebracht sind, bietet einen gewissen Schutz und reduziert die Leitungen nach außen.

Hier liegt der Ansatz für die "Funkkiste", die lediglich (zwei) Anschlüsse aufweist. - Einen Stromanschluss 230V und einen Antennenanschluss. da der im Betrieb die Akkuversorgung verwendet wird, ist es eigentlich nur ein Anschluss: Antenne oder 230V Ladestomversorgung.
Da sich alle Komponenten innerhalb der Kiste befinden, können keine Störstrahlungen im Inneren wirken und das Gehäuse stellt wiederum den Erdungspunkt gemäß Norm dar.

Hintergrund meines Beitrags ist andere/ergänzende Meinungen zu hören und daraus evtl. noch Infos für eine Optimierung der Kiste zu bekommen. Selbstverständlich auch Kenntnisse zu teilen und für das Thema zu sensibilisieren.

In diesem Sinne Danke für dein Statement

73 - Felis
 

Dipol

Member
Hallo Felis!

Nachdem wir beide wohl "vom Fach" sind, ist uns wohl klar, dass die lokale Situation (selbst mit Skizze) nur ein schwer Rückschlüsse auf die tatsächlichen Verhältnisse zum Schadenseintritt zulässt. Dass ich nicht die jeweiligen Normen angeführt habe, liegt einfach daran, dass die Wenigsten hier Zugriff darauf haben und das Verstehen/Anwendung im Detail auch nicht so einfach ist.
Auch bei Bagatellschäden schauen Versicherungen beim zweiten Blitzschaden meistens genauer hin. Dazu liegen aber keine Infos vor.

Da kein CB- oder Amateur-Funker extra ein spezielles Gebäude für seine Funktechnik errichtet, sondern schon froh ist, wenn er eine kleine Ecke im Haushalt zugestanden bekommt, sind die meisten Normen nicht anwendbar.
Eine normkonforme konventionelle Antennenerdung einschließlich PA ist immer "möglich". Dass WEGs oder Vermieter die Hausoptik möglichst nicht durch Antennen und Leitungen verschandeln wollen, steht auf einem anderen Blatt. Die Gerichte wägen die Interessen auf Eigentum und Informationsfreiheit ab und für Afu-Drahtantennen gibt es in DIN VDE 0855-300 bereits Befreiungen, die mit der Reihe DIN VDE 0100 unvereinbar sind und m. E. dringend geändert gehören.

Hintergrund meines Beitrags ist andere/ergänzende Meinungen zu hören und daraus evtl. noch Infos für eine Optimierung der Kiste zu bekommen.
Da zum dürftigen Input des Startbeitrags nix hinzu kam, fehlt mir die Grundlage für eine Meinung.

Bin im Urlaub auf dem Sprung für eine Schiffstour auf eine Hallig.

73 Roland

EDIT: Tippfehlerkorrektur
 
Zuletzt bearbeitet:

Felis

Member
Hallo Roland,

ich hab momentan auch zu tun und kann grad nicht groß schreiben..

Viel Vergnügen auf der Halig :)

73 - Felis
 

Felis

Member
Guten Morgen Roland,

hoffe du hattest gestern eine gute Zeit auf der Hailg..


Auch bei Bagatellschäden schauen Versicherungen beim zweiten Blitzschaden meistens genauer hin. Dazu liegen aber keine Infos vor.
Nunja, bis 2.000€ kann der Versicherungsmitarbeiter selbst entscheiden und bei mehreren Schäden in unmittelbarer Nähe, ist dies auch geschehen.
Da die Versicherungsleistung nur einen Teil des Schadenssumme ersetzt ist jedoch die Vorsorge das bessere Mittel..

Mit dem Thema Erdung widersprichst du dir bisschen!
Natürlich wird jeder versuchen, seine Anlage so sicher und normenkonform zu errichten, wie dies unter seinen Bedingungen geht. Aber häufig steht er dabei vor dem Problem, "Einhaltung der Normen/Vorschriften" oder "Keine Anlage errichten".
Das was dann in der Praxis gemacht wird ist ein mehr oder weniger guter Kompromiss. Aber eine Funkanlage in einem Mehrfamilienhaus ist in jedem fall sehr schwierig bis unmöglich, sei dies nun dem Eigentümer oder der Gebäudestruktur geschuldet.

Da zum dürftigen Input des Startbeitrags nix hinzu kam, fehlt mir die Grundlage für eine Meinung.
Die sehr offene Formulierung im Startbeitrag war beabsichtigt!
Ich wollte eine Diskussion anstoßen um Informationen zu bekommen, ohne die Breite/Tiefe vorzugeben. Aus Erfahrung weiß ich, dass bei solchen Themen eine zu genaue Schilderung lediglich zu "Schluterklopfern" führt, aber keine neuen/weiteren Kenntnisse/Erfahrungen/Aspekt bringt.


Die Idee mit der Kiste entstand aus der einfachen Überlegung, wenn ich keinen wirksamen Schutz für die Gerätetechnik realisieren kann, dann muss alles in einen faradayschen Käfig der nur die unbedingt notwendigen Anschlüsse hat. Dass dabei auch Überlegung zu wechselnden Standorten und experimentellen Aufbauten eine Rolle spielten, ist denke ich auch verständlich.

Bisher war mein Aufbau, wie sicher bei den meisten Funkern, ein Tisch-Regal mit einer zentralen Erdungsschiene, etc. Hinsichtlich meines beruflichen Hintergrund sicher dilettantisch, war wie heißt es so schön: "Der Bäcker hat die schlechtesten Brötchen"
Aber Schaden macht eben auch klug und so kam nach dem zweiten Schaden der Wunsch nach einer vernünftigen Lösung auf. Dass die Anlage auch vorher den geltenden Normen entsprach hat leider gegen die Einkopplung durch den nahen Blitzeinschlag zu wenig geholfen.

Also begannen im letzten Winter die ersten Tests, die zeigten, dass die größte Schwachstelle in der DC12V-Stromversorgungsleitung liegt. Bereits mit relativ geringer Strahlungbeaufschlagung kam der Transceiver schnell Probleme. Ein Kürzen der Leitungen auf das mögliche Minimum brachte eine Verbesserung, aber bei weitem keine ausreichende Abhilfe.
Nach vielen Fehlschlägen und Enttäuschungen kam dann die Entscheidung statt einer Einzeloptimierung einfach die gesamte Technik in eine Metallkiste zu packen und diese als Protenialausgleich und Abschirmung zu nutzen. In den letzten Monaten habe ich unzählige Bleche, Holz und Kunststoffplatten getestet - Alleine, in Kombination , mit und ohne Verbindungen, usw.

Mittlerweile ist aus den ganzen Versuchen ein mehrschichtiger experimenteller Aufbau entstanden, der zwar etwas schwerer geworden ist, jedoch einen sehr guten Schutz bietet. Zuhause sind die Bodenverhältnisse bekannt und stabil und die Anlage besteht aus der Gerätekiste und der abgesetzten Antenne. Im Außeneinsatz ist das ganze nicht so kritisch, da die Kisten sehr nahe am Erdungspunkt der Antenne steht. Aber am Schutz der Stromversorgung DC12V bin ich letztlich vor allem aus Kostengründen gescheitert, weshalb die Lösung 230V-Versorgung und interner Akku entstand.

Im Herbst will ich aus den gewonnen Erkenntnissen mit der experimentellen Lösung die erste praxistaugliche Kiste herstellen, wofür ich im Vorfeld noch die Meinungen der Forumsteilnehmer hier einholen wollte. (Ohne diese gleich mit meinen Erkenntnissen zu erschlagen)

Ich hoffe du verstehst nun meine Intention für diesen Beitrag etwas besser..

73 - Felis
 

Dipol

Member
hoffe du hattest gestern eine gute Zeit auf der Hailg.
Aber ja, soweit das mit einer Rasselbande von zwei 5-jährigen Enkel-Zwergen möglich ist.

Natürlich wird jeder versuchen, seine Anlage so sicher und normenkonform zu errichten, wie dies unter seinen Bedingungen geht. Aber häufig steht er dabei vor dem Problem, "Einhaltung der Normen/Vorschriften" oder "Keine Anlage errichten".
Dass der erste Satz in krassem Gegensatz zur Realität steht, kann man unschwer in diversen Foren nachlesen. WEG-Bestimmungen und Normen gelten auch für Bewohner, die sich z. B. statt Kabelanschluss eine Satelliten-Antenne wünschen. Die Zeiten, da AFU für Katastrophenfälle noch eine nachrichtentechnische Relevanz für die Allgemeinheit hatte und wegen diesem Hobby anderen Hausbewohnern optische Beieinträchtigungen oder evtl. sogar ein höheres Blitzschutzrisiko zumutbar gewesen waren, sind lang dahin.

Das was dann in der Praxis gemacht wird ist ein mehr oder weniger guter Kompromiss.
Das ist eine charmante Umschreibung regelwidriger Ausführungen. So wie es kein bisschen schwanger gibt, gibt es auch kein bisschen normkonform.

Der Kompromiss ist schon in den Normen mit Direkterdungen drin. Gefühlt nur max. 5 % erdungspflichtiger Antennen entsprechen den Normen, wobei es völlig egal ist ob sie von Elektrofachkräften oder Laien mit oder ohne Afu-Lizenz errichtet wurden, denn die Kernkompetenzen selbst der wenigen konzessionierten EFK, die noch vertragstreu ein VDE-Auswahlabo vorweisen können, liegen außerhalb der Hochfrequenz oder den Normen für Antennentechnik. Nicht nur viele berufsfremde CB-Funker wissen vielfach alles besser als nie gelesene Normen, vom Syndrom normfreier Besserwisserei sind auch manche OMs befallen.

Dass die Anlage auch vorher den geltenden Normen entsprach hat leider gegen die Einkopplung durch den nahen Blitzeinschlag zu wenig geholfen.
Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Die Missachtung elementarer Grundsätze der Reihe DIN VDE 0100 und DIN VDE 0855-300 lässt sich weder allein durch energetisch koordinierte SPD 1 Blitzstrom- und SPD 2 Überspannungsableiter noch einen Zauberkasten egalisieren und ist für mich Blitzschutz-Voodoo. ;)

Im Außeneinsatz ist das ganze nicht so kritisch, da die Kisten sehr nahe am Erdungspunkt der Antenne steht. Aber am Schutz der Stromversorgung DC12V bin ich letztlich vor allem aus Kostengründen gescheitert, weshalb die Lösung 230V-Versorgung und interner Akku entstand.
Ich werde aus der Beschreibung noch immer nicht recht schlau ob damit eine Freilandantenne gemeint ist oder doch eine erdungspflichtige Dachantenne, oder in von blitzstromtragfähiger Erdung befreiten Fassaden-/Balkonbereichen. Du bist dermaßen auf deine Voodoo-Kiste fixiert, welche den Blick auf mögliche andere Einfallstore verblendet.
  • Wie der Erder an der Antenne beschaffen ist;
  • was dort abseits der Hauseinführung ein SPD 1 Blitzstromableiter (Funkenstrecke) bewirken soll, der nur einen temporären Kurzschluss zwischen Innenleiter und Schirm erzeugt
  • aber ohne PA- und Erdungsleiter auf das Potenzial gegen Erde keinen Einfluss hat;
  • ob der Kabelschirm des Koax wie beschrieben wirklich nur mittelbar an der Station an einen 1,5 mm² Cu (???) Schutzleiter und NICHT auch auf/unter Erdniveau nahe dem Gebäudeeintritt mit einer Kabelmuffe mit dem Schutz-PA/HES gemäß Reihe DIN VDE 0100 verbunden ist;
  • der Antennenerder mit dem obligatorischen Schutz-PA/HES (mit oder ohne Gebäudeerder?) nach Klasse H oder nur N verbunden ist,
bleibt weiter top secret.

Als unvoreingenommene BSFK bin ich aber für die zugedachte Rolle als Claquer eines vorgefassten Schutzkonzepts ungeeignet.

73 aus Nordstrand

Dipol
 

Felis

Member
Moin Roland,

offensichtlich haben wir unterschiedliche Ansätze, du als als Radio-/Fernsehtechniker und Blitzschutzfachkraft und ich als Hochfrequenzler und Labortechniker. Die Laufbahn zur Tätigkeit mal außen vor gelassen..
Nachdem du mit deinen Enkelkindern unterwegs bist, sind wir sich auch in einem ähnlichen Alter und jeder hat seine Erfahrungen gemacht.

Dass der erste Satz in krassem Gegensatz zur Realität steht, kann man unschwer in diversen Foren nachlesen.
Natürlich entspricht der Ausbau der meisten Funkanlagen, egal ob AFU- oder CB-Funker, nicht 100% der Normenlage. Ich sehe hier jedoch keinen Unwillen oder Unkenntnis der Funker, sondern vielmehr die fehlenden Möglichkeiten im häuslichen Umfeld. Alleine, dass das Thema so vielfältig in Foren diskutiert wird, zeugt doch von Interesse an Überspannungs-/Blitzschutz.
Bisschen schwanger gibt's nicht, gebe ich dir Recht, aber eine 100% Umsetzung aller betroffenen Normen im einer Bestandsimmobilie ist nahezu unmöglich, da sich wischen den Normen teilweise gravierende Widersprüche ergeben. Außerdem müsste dazu der Geltungsbereich einzelner Normen definiert werden. Dies meinte ich mit "ein mehr oder weniger guter Kompromiss".

Du siehst das Ganze aus deinem Fachbereich "Blitzschutz", ich aus meinem "Feld-/Leitungsgebundene Störstrahlung" und bereits hier ergeben sich unterschiedliche Sichtweisen durch andere Blickwinkel.
Ein Standard-Blitzableiterdraht (10mm V2A, 8mm Alu,..), den du als ausreichend für den PA oder als Ableiter siehst, hat bei mir unter HF-Gesichtspunkten einen sehr hohen Widerstand von (signalabhängig) bis zu 1 MOhm!

Wir benutzen im Labor für den Potentialausgleich beispielsweise Flachbandleitungen, wie aus der EDV-Technik, da diese auch bei HF niederohmig bleiben. Vom Querschnitt entspricht eine solche Leitung insgesamt etwa 16mm² Cu (gebildet aus 120x 0,14mm² oder 160x AWG27/28 etwa 0,1mm²).
Dies entspricht nicht der Norm, doch eine normengerechter Erdungsdraht würde zur Zerstörung unserer Messgeräte führen!

Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Die Missachtung elementarer Grundsätze der Reihe DIN VDE 0100 und DIN VDE 0855-300 lässt sich weder allein durch energetisch koordinierte SPD 1 Blitzstrom- und SPD 2 Überspannungsableiter noch einen Zauberkasten egalisieren und ist für mich Blitzschutz-Voodoo. ;)
Das Problem ist, dass die Normenlage für den Blitzschutz das Themenfeld "Hochfrequente Strahlung" nicht umfasst. Hierfür gibt es andere Normen, ist mir bekannt, aber diese widersprechen teilweise massiv den Normen für den Blitzschutz.
Den zweimaligen Schaden bei mir habe ich nach dem ersten Mal auch im Bereich Blitzschutz gesucht... Erst nach dem zweiten Mal zog ich eine hochfrequente Einkopplung in Betracht - Naja, vielleicht einfach betriebsblind oder schockiert gewesen?
Am Ende einer Schutzmaßnahme steht immer ein Gesamtkonzept und wie dieses im Detail aussieht hängt alleine von den lokalen Gegebenheiten ab. Die Erdung ist unbestritten die primäre Maßnahme, die dem Blitzschutz aber auch dem effektiven Betrieb dient. Am anderen Ende steht die Kiste, welche einen faradayschen Käfig bildet, der alle enthaltenen Geräte auf gleichem Potential hält und gegen äußere, nicht leitungsgebundene Einflüsse abschirmt.

Noch ein Wort zum Außen-/Feldeinsatz:
Hier verwende ich einen 6m Teleskopmast, meist mit einer Signal-Keeper. Die Erdung wir direkt über den Mastfuß, sowie die Abspanndrähte realisiert, wobei der sich ergebende Erdungswiderstand alleine vom Boden, bzw. dessen oberer 3cm-Schicht, abhängig ist. Die Kiste wird am Mastfuß befestigt und stabilisiert mit ihren beiden Klemmschellen den Mast während des Aufbaus.
Das ein normengerechter Aufbau, für den zeitweisen Betrieb einer Funkanlage im Freiem, nicht der Praxis entspricht und häufig auch gar nicht möglich ist, sollte klar sein. Ein möglichst guter Schutz der Ausrüstung ist jedoch auch hier bei uns "Schönwetter-Funkern" von Interesse/Bedarf.

Du bist dermaßen auf deine Voodoo-Kiste fixiert,
Da es in diesem Faden um eine "störstrahlungssichere Kiste", von mir aus auch "Voodoo-Box" gehen soll, liegt der Schwerpunkt natürlich auch dort.

Aus diesem Grund bin auch nicht besonders auf den Aufbau meiner heimischen Anlage eingegangen:
Diese besteht aus einen auf dem Boden/Betonfundament stehenden 16m Telemast (normalerweise eingefahren 6m), etwa 3m neben dem Haus. Der Mast ist räumlich rund 9m von der Funkanlage im Nebengebäude entfernt, wobei sich der zentrale Erdungspunkt unmittelbar am Mastfuß befindet (Mehrere Erdungsstäbe/Kreuzerder im ganzjährig feuchten Boden). Das Grundwasser liegt hier bei uns nur bei etwas 2m Tiefe.
Der Überspannungschutz sitzt an der Stelle, an der die Leitungen den Mast in "die Horizontale verlassen" und an der Gebäudeeinführung, wobei beide getrennt zum zentralen Erdpunkt geführt sind. Die Erdungsleitungen sind eine feinstdrähtige HF-Litze mit etwa 48mm² Cu.

Die Ursache des Schadens bei mir kam durch die HF-Einkopplung, direkt in die Funktechnik!
Da zum Zeitpunkt des Gewitters/Einschlags die Trennstelle zwischen Antenne und Funktechnik geöffnet war. Diese liegt zwischen den beiden Überspannungsableitern. Ein Einkopplung über das Stromnetz kann sicher ausgeschlossen werden.

Vielen Dank für deine Gedanken zu Erdung und PA im letzten Abschnitt (y)

Schöne Grüße in den hohen Norden
Felis
 

Dipol

Member
Bisschen schwanger gibt's nicht, gebe ich dir Recht, aber eine 100% Umsetzung aller betroffenen Normen im einer Bestandsimmobilie ist nahezu unmöglich, da sich wischen den Normen teilweise gravierende Widersprüche ergeben. Außerdem müsste dazu der Geltungsbereich einzelner Normen definiert werden. Dies meinte ich mit "ein mehr oder weniger guter Kompromiss".
Es geht hier um eine Antenne nach DIN VDE 0855-300:2008-08. Als Kenner dieser Norm ist mir nur ein Widerspruch zur Reihe DIN VDE 0100 bekannt und der ist durch Lobby-Einfluss vom DARC verursacht. Über diese Sonderwurst beschwerst du dich bestimmt nicht. Allgemeine Einwendungen dieser Art beruhten bislang stets auf Hörensagen von Usern, die weder die DIN VDE 0855-300 je gelesen hatten und sich die Widersprüche aus den Fingern gesogen hatten. Von einem Mitarbeiter eines EMV-Labos sollte man konkrete Normzitate erwarten dürfen.

Ein Standard-Blitzableiterdraht (10mm V2A, 8mm Alu,..), den du als ausreichend für den PA oder als Ableiter siehst, hat bei mir unter HF-Gesichtspunkten einen sehr hohen Widerstand von (signalabhängig) bis zu 1 MOhm!
Siehe Tabelle D.3 der IEC 62305-1 mit der Blitzstromtragfähigkeit von Leitern. Die ist selbst den meisten Ausnahme-Elektrikern mit Zugriff zu dieser Norm unbekannt und blitzschutztechnischen Laien, wozu auch berufsfremde CB-ler und OMs ohne wie mit Lizenz gehören, haben ohnehin keine Ahnung welche Blitzstromstärken unterschiedliche Leiter verkraften können.

Die Induktivität von Leitern wirkt sich auch auf Blitzströme aus, die sich wegen der steilen Stirnzeit wie HF verhalten. Die Berechnung der Induktivität gestreckter Leiter ist nicht mein Ding. Die einzige Formel, die ich aus einem uralten TELEFUNKEN-Laborbuch habe passt nicht zu den Werten die von Helmut Zitzman publiziert werden. Daher lasse ich mich gerne jetzt aufklären, nach welcher Formel und für welchen Leiterquerschnitt die 1 MOhm errechnet wurden.

Wir benutzen im Labor für den Potentialausgleich beispielsweise Flachbandleitungen, wie aus der EDV-Technik, da diese auch bei HF niederohmig bleiben. Vom Querschnitt entspricht eine solche Leitung insgesamt etwa 16mm² Cu (gebildet aus 120x 0,14mm² oder 160x AWG27/28 etwa 0,1mm²).

Dies entspricht nicht der Norm, doch eine normengerechter Erdungsdraht würde zur Zerstörung unserer Messgeräte führen!
In Hochspannungslaboren werden hochflexible Leitungen als Anschlusskabel verwendet und im Blitzschutzbau sind feindrähtige Ausgleichsbänder mit industriell vakuumdicht verpressten Kabelschuhen mit nach IEC 62561 zertifizierter Blitzstromtragfähigkeit für Stoßstrom 10/350 µs normal und nomkonform. Ohne Typenprüfung mittels Stoßstromgenerator mit 8/20 µs oder 10/350 µs sind hydraulisch vakuumdicht fachgerecht angedockte Verpresskabelschuhe auch mit normkonformen massiven oder mehrdrähtigen 7 x 1,7 mm Leitern nicht normkonform, die Achillesferse von Antennenerdungen sind nicht die Leiter sondern die Verbinder.

Hierfür gibt es andere Normen, ist mir bekannt, aber diese widersprechen teilweise massiv den Normen für den Blitzschutz.

Den zweimaligen Schaden bei mir habe ich nach dem ersten Mal auch im Bereich Blitzschutz gesucht... Erst nach dem zweiten Mal zog ich eine hochfrequente Einkopplung in Betracht - Naja, vielleicht einfach betriebsblind oder schockiert gewesen?
Nochmalige Bitte um Normzitate zu den Widersprüchen, damit ich weiß wovon die Rede ist.

Hier verwende ich einen 6m Teleskopmast, meist mit einer Signal-Keeper. Die Erdung wir direkt über den Mastfuß, sowie die Abspanndrähte realisiert, wobei der sich ergebende Erdungswiderstand alleine vom Boden, bzw. dessen oberer 3cm-Schicht, abhängig ist. Die Kiste wird am Mastfuß befestigt und stabilisiert mit ihren beiden Klemmschellen den Mast während des Aufbaus.
Gestellte Fragen zu den Erderabmessungen und seiner Einbautiefe sowie den Anschlüssen werden weiterhin systematisch ignoriert. Der Erdausbreitungswiderstand hängt von spezifischen Erderstand ab und wegen den 3 cm empfehle ich einen Blick in den DEHN Blitzplaner.

In den Arbeitsentwürfen zur überfälligen Revision der DIN VDE 0855-300:2008-08 ist vorgesehen, dass
  • CB- und Amateurfunk- sowie SMATV-Antennen künftig auch nach IEC/DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) ausgeführt werden dürfen, womit für den PA ein Leiterquerschnitt von mind. 4 mm² Cu statt mind. 10 mm² Cu normkonform wäre und
  • für nicht netzgespeisten temporären mobilen und transportablen Betrieb die Mindesterderlänge von 2,5 m + 0,5 m Kopfversenkung auf 0,9 m ab Oberfläche reduziert wird.
  • Wie schon in bisherigen DIN VDE 0855-300 ist als Erdungsleiter mind. 16 mm² Cu massiv oder mehrdrähtig (mit 7 x 1,7 mm Aderndurchmesser) oder mind. 8 mm Blitzableiterdraht gefordert. 25 mm² Alu wurde bereits in der noch aktuellen Norm gestrichen.
Dass danach häufiger normkonforme Erdungen und PAs ausgeführt oder auch nur seltener als nicht durchführbar bezeichnet werden sowie mehr Normkenntnis die vorherrschenden Mythen ersetzt, erwarte ich als Kenner von Forenbeiträgen nicht. Dass sich nach Reduzierung der Erderlänge der Umsatz des DEHN Erdungsrohrs 644 000 merklich erhöht, schließe ich ebenso aus, die Änderungen werden aus Unkenntnis und Unwillen weiterhin ignoriert werden und verpuffen.

Die Erdungsleitungen sind eine feinstdrähtige HF-Litze mit etwa 48mm² Cu.
Wegen des Skin-Effekts sind mehr-, fein- und feinstdrähtige Leiter gegenüber Massivdrähten im Vorteil, die wiederum leichter gegen die Elektrodynamik zu fixieren sind. Aus Korrosionsschutzgründen aber im Antennenbau nur massive oder mehrdrähtige Leiter mit mind. 1,7 mm Durchmesser der Einzeladern zulässig.

Der früher für Erdungsleiter von Antennen und blitzstrombeaufschlagte PA-Leiter Mindestquerschnitt von 10 mm² Cu leitet – vorbehaltlich dafür ausgelegter Verbinder – auch einen LEMP mit 180 kA gegen Erde ab. Ein heute geforderter 16 mm² Cu ist bereits gegenüber der Prüfnorm für Verbinder nach Klasse H mit 200 kA bereits überdimensioniert. 48 mm² Cu nach dem Motto „Viel hilft viel“ ist jenseits blitzschutztechnischer Vernunft und Fachkunde. Für diesen unwirtschaftlichen Querschnitt gibt es auch keine zertifizierte KS-Klemme um ihn an NIRO-Erdspieße oder feuerverzinkte Kreuzerder (in Kombination mit Fundamenterder unzulässig) korrosionsverträglich und normkonform nach Klasse H anzuschließen.

Die Ursache des Schadens bei mir kam durch die HF-Einkopplung, direkt in die Funktechnik!

Da zum Zeitpunkt des Gewitters/Einschlags die Trennstelle zwischen Antenne und Funktechnik geöffnet war. Diese liegt zwischen den beiden Überspannungsableitern. Ein Einkopplung über das Stromnetz kann sicher ausgeschlossen werden.
Systematische Ursachenforschung fängt bei den Blitzstromstärken an, welche die Schäden verursacht haben und die von den Versicherern obligatorisch abgefragt werden. Deine Überzeugung, dass nur eine induktive Direkteinkopplung vorliegen kann, blockiert dich so, dass du um nix in der Welt die mal erfragst. Weder Medianblitze mit ca. 25 kA noch seltene Wilde Hausrüttler mit 100 kA können gleich zweimal mit der Impulsform 8/20 µs solche Schäden durch Direkteinstrahlung verursachen. Im Doppelpack in D aufgetretene Monsterblitze der > 200 kA-Klasse sind mir unbekannt und dass bei dir versehentlich zwei taktische Neutronengranaten explodiert sind, kann man auch ausschließen.

Heute ist der letzte Nordseetag, gleich geht es mit den Zwergen nochmal ins Hallenbad und danach ab zu den Eltern. Aus Zeitgründen entfällt Korrekturlesen, bitte Tippos nachsehen.

73 Roland
 

Felis

Member
So lange du dich nur auf die DIN/VDE bzw IEC-Normen zum Blitz-/Überspannungsschutz beziehst bleibt das recht einfach. Aber in der Praxis kommen bei Gebäuden noch unzählige andere Normungsgebiete und Vorgaben, vom riesigen Block des Bauwesens, bis zu den Eigentümervorgaben, dazu.
Es ist richtig, dass innerhalb der DIN/VDE wenige Widersprüche existieren, dafür kollidieren so einige Aspekte mit anderen Normen, Vorgaben und nicht zuletzt evtl. auch Herstellervorgaben.
Sorry, wenn ich dies vielleicht nicht deutlich genug geschrieben hatte!

In der Praxis steht der Funker dann vor dem Dilemma, das Funkhobby aufzugeben, oder sich der Normung nur soweit möglich anzunähern.
Die Entscheidung ist dann eine Frage der persönlichen Gewichtung. - C'est la vie, wie der Franzose sagt..

Im Laborbereich, der prinzipiell mit InHouse-Anwendungen vergleichbar ist, geht es vorrangig um die optimale elektrotechnische Lösungen. Dass die Verbindungen eine wesentliche und häufig unterschätzte Komponente bei Potentialausgleichsleitungen ist, gebe ich dir Recht.
Aber Kompromisse in der Norm, die beispielsweise dem Korrosionsschutz geschuldet sind, interessieren mich hierbei überhaut nicht!
Die klimatischen Verhältnisse des Aufbau in praxisüblichen (Wohn-)Gebäuden, sind hinsichtlich dem Auftreten von Korrosion sich nicht relevant.

Du siehst das Thema aus der Normungssicht und ich eben aus meiner Laborpraxis (..und Funker-Leidenschaft). Dass es dabei zu unterschiedlichen Sichtweisen kommt liegt in der Natur der Sache. Wenn ich Funken will, hat dies für mich Priorität und wenn ich dabei die Normung dafür nicht 100%ig einhalten kann, muss ich eben nach möglichen praktischen Alternativen suchen, die der Norm nahe kommen..
Aber wegen einer Nichtkonformität zu einer Norm, werde ich das Funken ganz sicher nicht unterlassen.

Sorry, aber diese Einstellung ist sicher auch meiner Labortätigkeit geschuldet..


Gestellte Fragen zu den Erderabmessungen und seiner Einbautiefe sowie den Anschlüssen werden weiterhin systematisch ignoriert.
Ich denke nach deiner nochmaligen Nachfrage, dass du noch nie einen temporären Betrieb einer Funkanlage mitgemacht hast. Es handelt sich hierbei um experimentellen Betrieb über einige Tage, meist jedoch nur wenige Stunden. Die Normforderung zu Erdung etc. sind hierbei weder praktikabel noch im "Gestattungsbereich des Grundstückseigentümers" - Falls man diesen überhaut kennt?
Außerdem wäre in diesem Fall eine mehrtägige Vorbereitungszeit notwendig, die man in der Praxis gar nicht hat.
Der Mast steht auf bei mir auf einer Stahl-Tragplatte (ca. 15x15cm) an der unten ein Zelthering mit 30 cm angeschweißt ist. Die Abspannung besteht aus Stahlseilen (3mm), di eben falls mit Zeltheringen im Boden verankert sind. Der Erdungswiderstand ist geht von nahe 0 Ohm auf feuchten Wiesen, bis zu "nicht messbar" im "Gebirge", wo öfter auch mal Steine zum Abspannen herhalten müssen, weil man keinen Hering in den Boden bekommt.
Die Funk-Station ist in wenigen Minuten aufgebaut und abgestimmt und ebenso schnell auch wieder abgebaut. Da man bei Gewitter nicht funkt, dient der Schutz auch vorrangig der Anlage und Personenschutz ist vernachlässigbar. Also Transceiver ausschalten, Deckel der Zargesbox zu und auf das Ende des Gewittes warten.

Vergleiche das einfach mit Mobilbetrieb im PKW oder Wohnmobil - Da interessiert Erdung auch niemanden und keiner würde zum Funken auf dem nahen Berg einen Erdungsstab in den Boden treiben.. :) - Außer der Funkbetrieb verlangt nach Erdung!


Aus Zeitgründen entfällt Korrekturlesen,
Es geht hier sicher um andere Dinge als Rechtschreibung und Grammatik - Ich mache auch keine Korrekturlesung..

Gruß
Felis
 

Dipol

Member
Moin Felis.

Es ist richtig, dass innerhalb der DIN/VDE wenige Widersprüche existieren, dafür kollidieren so einige Aspekte mit anderen Normen, Vorgaben und nicht zuletzt evtl. auch Herstellervorgaben.
Welche das sein sollen bleibt auch wieder ohne Nachweis.

Ich schätze deinen manierlichen Ton, andere User, welche bezüglich DIN VDE 0855-300:2008-08 ebenfalls nur über Hörensagen verfügen, drücken sich im Neuner-Forum nebenan weniger gewählt aus.

Wingman schrieb:
Ich meine dieses Korinthenkackertum ist Gang und Gebe in unserem überbürokratischen Land, zum Glück kann man auf dem eigenen Grund selbst entscheiden was man macht, wie man es macht und ob man es macht.

90% der CB- und wohl auch Amateurfunker werden die meisten Vorschriften nicht interessieren, sei es zum Thema Blitzschutz oder die ordnungsgemäße Montage der eigenen Antennenanlage.
Ich montiere meine Antennen heute genauso wie vor 20 Jahren, verbinde den Mast genauso wie damals mit der Erde und lasse mir da auch von niemandem reinreden.
Unter Bezug auf den Eingangsbeitrag ...
Gibt sicher auch noch Szenarien, die ich nicht so auf dem Schirm habe.

Hat sich jemand von euch schon mal mit dieser Thematik befasst?
... habe ich die nach Blitzschutzphysik wahrscheinlicheren Szenarien begründet aufgezeigt. Mehr ist mir ohne die nötigen Details nicht möglich. Ich wäre dir dankbar, wenn du die erbetene Formel für die in Beitrag #14 genannten 1 MΩ nachreichen würdest.

73 Roland

PS: Zur im Antennenbau nur selten beachteten Binsenweisheit, dass jede Kette nur so stark wie das schwächste Glied ist.

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Felis

Member
Wir sind an manchen Stellen sicher nicht der gleichen Ansicht,/Meinung aber Diskussionskultur fängt beim Ton und gesellschaftlichen Werten an ;)
Die Meinung des Anderen hat ebenso viel Wert, wie die eigene! - Toleranz und Respekt sind aber leider Werte, die in unserer heutigen Zeit offensichtlich nicht mehr viel zählen...
Danke an dieser Stelle für deine interessanten "Anhänge"

wenn du die erbetene Formel für die in Beitrag #14 genannten 1 MΩ nachreichen würdest.
Sicherlich kann man dies auch berechnen, aber ich habe diese Werte aus Labormessungen. Wie gesagt geht es bei mit nicht direkt um Blitzschlag, sondern vornehmlich elektrische und magnetische Hoichenergiefelder im Zuge der EMV-Bewetung von Geräten/Anlagen.
Bei den Anlagen sind öfter Potentialverbinder in Massivleitertechnik verbaut, die im Aufbau "mitgemessen" werden. Aus der Differenzmessung, mit und ohne diese Verbindungen, ergibt sich ein effektiver Widerstand von bis zu 1 MOhm/m.
Wird die Verbindung direkt mit Hochfrequenz beaufschlagt ergibt sich der annähernd gleiche Widerstand. Der Effekt, der zu diesem hohen Widerstand führt ist eine Mischung verschiedener Phänomene von hohen Frequenzen auf dickeren, massiven Leitern. Weiter ins Detail zu gehen wäre schon mal interessant, ist aber auf Grund der immensen Einflüsse von Einbau und Umgebung einen riesen Arbeit.

Die Widersprüche zwischen den einzelnen Normen kommen immer wieder mal vor. Nachdem mich diese nur am Rand meiner Arbeit betreffen, gehen diese Information schnell wieder unter. Wenn ich das nächste Ma über so etwas stolpere oder mir wieder ein Fall auf den Tisch kommt, schreib ich dir.
Die alten Sachen hab ich momentan auch nicht direkt parat und evtl. sind die damaligen Widersprüche heute schon obsolet?

Ist eine interessante Unterhaltung mit dir!

Grüße
Felis
 
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